Vom Tabak zum Fadenwurm
Wichtige Vorarbeiten zum Medizin-Nobelpreis 2006 von ÖAW-Pflanzenforscher(inne)n
Der diesjährige Medizin-Nobelpreis wurde für die Entwicklung einer Methode zum gezielten Ausschalten von Genen mittels doppelsträngiger RNA an Andrew Fire (Stanford University, California, USA) und Craig Mello (University of Massachusetts Medical School in Worcester, USA) vergeben. Andrew Fire und Craig Mello veröffentlichten ihren Durchbruch über die so genannte RNA-Interferenz (RNAi) 1998 im Journal Nature. In dieser Arbeit gelang es den Wissenschaftern, mit doppelsträngiger RNA - injiziert in Caenorhabditis elegans (Nematode) - Gene gezielt stillzulegen.
Der Entdeckung der RNAi liegen Experimente zugrunde, die zuerst in Pflanzen durchgeführt wurden, und auf die die Nobelpreisstiftung in ihrer Hintergrundinformation zum diesjährigen Medizin-Nobelpreis verweist: Marjori und Antonius Matzke, damals am ÖAW-Institut für Molekularbiologie in Salzburg und seit 2004 am Gregor-Mendel-Institut für Molekulare Pflanzenbiologie (GMI) der ÖAW, publizierten im Jahr 1989, dass die Expression von Transgenen in Tabak durch einen Basenfolgen abhängigen Mechanismus blockiert werden kann. In der Folge bewiesen die ÖAW-Pflanzenforscher(innen), dass diese Stillegung durch eine doppelsträngige RNA vermittelt wird. Insgesamt werden in der Erklärung der Nobelpreisstiftung drei Publikationen des Matzke-Labors zitiert.
RNAi schützt Pflanzen vor Virusinfektionen und ist daran beteiligt mobile Elemente des Genoms still zu halten. RNAi ist eine wichtige Strategie die Genexpression zu regulieren und spielt daher eine entscheidende Rolle im Stoffwechselgeschehen und in Entwicklungsprozessen.
Mittlerweile wird RNAi bei der Erforschung von Pflanzen und Tieren gezielt als Werkzeug eingesetzt, um Aufschluss über die Funktion einzelner Gene durch spezifisches Ausschalten zu erhalten. Deshalb ist zu erwarten, dass diese universale Methode in Zukunft auch zu neuartigen medizinischen Anwendungen führen wird.
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