UNESCO Preis für österreichische Biosphärenpark-Managerin
Vorzeigemodell UNESCO Biosphärenpark Großes Walsertal
Abb.: Verleihung im UNESCO-Hauptquartier in Paris. Thomas Elmqvist (Chair des MAB-Programms), Birgit Reutz-Hornsteiner (Preisträgerin), Botschafter Harald Wiesner (Ständige Vertretung Österreichs bei der UNESCO), Günter Köck (österr. Delegierter im MAB-ICC) (v. l. n. r.)
Auf der 19. Sitzung des MAB-International Co-ordinating Council (UNESCO Hauptquartier Paris, 23.-27.Oktober 2006) wurde Birgit Reutz-Hornsteiner für ihr hervorragendes Management des UNESCO Biosphärenparks "Großes Walsertal" mit dem "Michel Batisse-Preis 2006" ausgezeichnet.
Reutz-Hornsteiner, die von der Österreichischen UNESCO-Kommission gemeinsam mit dem österreichischen MAB-Nationalkomitee für die Nominierung vorgeschlagen wurde, war fünf Jahre lang die Managerin des Biosphärenparks Großes Walsertal und hat mit ihren Mitarbeiter(inne)n in dieser Zeit den Biosphärenpark zu einem Vorzeigeprojekt innerhalb des UNESCO-Biosphärenparknetzwerkes gemacht.
Das Konzept der Biosphärenparks stellt die Schlüsselkomponente des UNESCO-Forschungsprogramms "Man and Biosphere (MAB)" zur Umsetzung und Verbreitung einer nachhaltigen Gestaltung der Beziehung Mensch-Umwelt dar. 1973 ins Leben gerufen, umfasst das Netzwerk derzeit weltweit 507 Gebiete in 102 Ländern, davon 6 in Österreich.
Das von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) verwaltete UNESCO-Forschungsprogramm "Man and Biosphere (MAB)" und das dort angesiedelte Nationalkomitee hat die Planung des Biosphärenparks Großes Walsertal von Beginn an nicht nur wissenschaftlich begleitet, sondern auch mehrere lokale Forschungsprojekte finanziert.
Das Komitee trägt die fachliche Verantwortung für die Biosphärenparks in Österreich und beantragt deren Nominierung. Das Nationalkomitee konzentriert die von der ÖAW finanzierten Forschungsaktivitäten seit einigen Jahren verstärkt auf die österreichischen Biosphärenparks. Die Forschung soll den Biosphärenparkmanager(inn)en bei der Umsetzung ihrer Aufgaben dienen, aber auch die Biosphärenparks für Grundlagenforschung nutzen.
Das MAB-Nationalkomitee (Vorsitz Univ-Prof. Mag. Dr. Georg Grabherr) arbeitet eng mit der Österreichischen UNESCO-Kommission zusammen, die die Nationalagentur für UNESCO Angelegenheiten in Österreich ist. Die UNESCO-Kommission (Geschäftsführung: Mag. Gabriele Eschig) engagiert sich vor allem im Bereich des Bildungsauftrages der Biosphärenparks, in Beratung der regionalen Stellen sowie in Lobbying und Öffentlichkeitsarbeit. Österreich wird von Mag. Dr. Günter Köck (ÖAW) im MAB-International Co-ordinating Council vertreten.
Michel Batisse-Preis
Der Michel Batisse-Preis wurde zum Gedenken an Michel Batisse, dem im Jahr 2004 verstorbenen herausragenden Architekten der UNESCO-Umweltprogramme und Gründer des "Man and Biosphere (MAB)"-Programms, eingerichtet, um außerordentliche Leistungen auf dem Gebiet des modernen Biosphärenparkmanagements auszuzeichnen.
Allgemeine Informationen:
Biosphärenpark Großes Walsertal (Vorarlberg, 19200 Hektar)
Das Große Walsertal ist ein abgelegenes, dünn besiedeltes Bergtal in den Kalkalpen nordöstlich von Bludenz. Die steilen Berghänge des Kerbtals sind weder für eine intensive Landbewirtschaftung noch für die Anlage von ausgedehnten Skipisten geeignet. Seit einer dramatischen Lawinenkatastrophe vor 50 Jahren, der 80 Menschen zum Opfer fielen, verließen immer mehr Einwohner ihre Heimat. Als schließlich auch noch der Tourismusboom der 1960er und 1970er Jahre rückläufig war, stellte sich die Frage, wie das abgelegene Tal als Lebens- und Wirtschaftsraum für die bestehenden und künftigen Generationen erhalten werden könnte.
Als strukturschwache Region mit geringer Wertschöpfung und den damit verbundenen Problemen, erhofften sich die sechs Tal-Gemeinden vom UNESCO-Prädikat positive Impulse für die Regionalentwicklung bei gleichzeitiger Erhaltung des Natur- und Kulturraumes. Zusammen mit engagierten Personen aus dem Großen Walsertal wurde ein Leitbild für die zukünftige Entwicklung des Tales entworfen. Treibenden Kraft war der Obmann der Regionalplanungsgemeinschaft Großes Walsertal (REGIO) Landtagsabgeordneter Josef Türtscher. Die Akzeptanz des Biosphärenparks zum Zeitpunkt der Einreichung im Jahr 2000 war hoch. Fünf Jahre danach ist klar: das Engagement hat sich gelohnt. Die Abwanderung der Bewohner konnte gestoppt werden, einheimische Produkte (z.B. aus der biologischen Landwirtschaft) werden erfolgreich vermarktet und regionale Erzeugerketten, wie im Bergholz-Projekt, sichern qualifizierte Arbeitsplätze vor Ort. In der Energieerzeugung setzt ein mit Hackschnitzel aus lokalen Sägewerken betriebenes Bioheizwerk neue Maßstäbe. So wird das gemeinsame Motto "Das Leben lebenswerter und das Wirtschaften wirtschaftlicher machen" Schritt für Schritt umgesetzt. Das Große Walsertal ist der erste Biosphärenpark Österreichs, der nach 1995 in die Liste der UNESCO-Modellregionen aufgenommen wurde.
Man & Biosphere Programm
Das im Jahr 1971 gegründete UNESCO Programm "Der Mensch und die Biosphäre (MAB)" entwickelt wissenschaftliche und anwendungsorientierte Grundlagen im Bereich der Natur- und Sozialwissenschaften, die der langfristigen Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen und der Artenvielfalt in Vorbildregionen dienen. Ziel ist die Schaffung eines Gleichgewichts zwischen dem Schutz der biologischen Vielfalt, der Förderung der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung und der Bewahrung der jeweiligen kulturellen Werte, kurz: eine nachhaltige Entwicklung der Beziehung Mensch-Umwelt. MAB fördert interdisziplinäre und international vernetzte Forschung, Modellbildung und Training im nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen. Das Konzept des weltweiten Biosphärenpark-Netzwerkes mit derzeit 507 Parks in 102 Ländern stellt die Schlüsselkomponente des MAB-Programms zur Umsetzung einer nachhaltigen Gestaltung der Beziehung Mensch-Umwelt dar. Biosphärenparks sind international anerkannte Land- oder Küstenökosysteme, die u.a. als eine Art "Freilandlabor" dienen, in denen Modelle für eine integrierte nachhaltige Entwicklung der Region bei gleichzeitigem Schutz der Umwelt entworfen, erprobt und umgesetzt werden. Das österreichische MAB-Nationalkomitee fokussiert seine Forschungsvorhaben auf die Forschung in und für die heimischen Biosphärenparks. Biosphärenparks sind Modellregionen mit Zukunftscharakter, die derzeit weltweit (so auch in Österreich) eine Art Hochkonjunktur erleben und aus diesem Grund international große Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
Weitere Informationen zum MAB-Programm
Biosphärenpark "Großes Walsertal"
www.unesco.at
Kontakt:
Dr. Günter Köck
Nationale und internationale Forschungsprogramme
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