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Entwicklung der Österreichischen Hochschulen

Hochschulplanungsprognose 2005 vorgestellt



Mit der Hochschulplanungsprognose 2005 (Titel der Publikation: Quantitative Entwicklungstendenzen der österreichischen Universitäten und Fachhochschulen 1975-2025) liegt die neunte Überarbeitung eines seit 1978 an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) laufenden Projektes zur Hochschulplanung vor.

Wie 1986, 1993 und 1999 wurden auch 2005 sämtliche Parameter für das Prognosemodell neu geschätzt und die Studienrichtungsgruppen abweichend von allen vorangegangenen Modellen völlig neu zusammengestellt, sodass daraus sowohl eine Österreich-spezifische als auch die ISCED-Klassifizierung (International Standard Classification of Education) aggregiert werden können. Als Grundlage für die Analyse der Vergangenheit dienten die Inskriptionsdaten der Österreichischen Hochschulstatistik bis zum Wintersemester 2003 sowie die Abschlussdaten bis zum Studienjahr 2002/03. Für die neue Maturantenprognose konnten die Ergebnisse der Schulstatistik bis zum Schuljahr 2003/04 berücksichtigt werden.

Die Ergebnisse der aktuellen Fortschreibung sind in hohem Maße von zwei administrativen Maßnahmen geprägt:

  • der Einführung eines Studienbeitrags und
  • dem Umbau des Studienverlaufs von einem zweistufigen (Diplom - Doktorat) auf ein dreistufiges (Bakkalaureat - Master - Doktorat) System.

Die längerfristigen Auswirkungen beider Maßnahmen sind aufgrund des kurzen Beobachtungszeitraums noch schwer abzuschätzen. Darüber hinaus ist der Umbau von einem zweistufigen auf ein dreistufiges System noch voll im Gange, sodass derzeit nicht einmal abzusehen ist, welche Studienrichtungen das dreistufige System einführen oder welche das zweistufige System beibehalten werden.

Nicht berücksichtigt werden konnte die Entscheidung des OG der EU, dass es für EU-Studenten keine Beschränkungen geben darf. Somit beschreibt diese Prognose weitgehend die Entwicklung, als würde die ursprüngliche Regelung beibehalten. Dabei ist zu bedenken, dass sich dieses Urteil unmittelbar eigentlich nur auf sehr wenige Studienrichtungen auswirken wird, eine indirekte Auswirkung auf andere Studienrichtungen kann natürlich nicht ausgeschlossen werden.

Nach wie vor hat die wichtigste bildungspolitische Innovation der Neunzigerjahre - der Aufbau des Fachhochschulsektors - Auswirkungen auf die Zahl der Studienanfänger an den Universitäten. Nach einer mehr als 20-jährigen Expansionsphase war der Universitätssektor 1987/88 mit einer Maximalzahl von 22.600 inländischen Erstimmatrikulierenden in eine Stabilisierungsphase eingetreten. Trotz der Erweiterung des Kreises der Zugangsberechtigten durch die Einführung der Berufsreifeprüfung, der Einrichtung der Höheren Lehranstalten für Lehrer- und Erzieherbildung um 1990 und trotz steigender Bildungsbeteiligung im Sekundarschulbereich sind die Anfängerzahlen - aufgrund der demographisch bedingten Entlastung - nicht gestiegen.

Zeitgleich mit dem Auslaufen dieses demographischen Entlastungseffekts ab 1995 erfolgte die Einrichtung von FHS-Lehrgängen, sodass der bis 2012 zu erwartende, rund 30prozentige Wachstumsschub bei den Maturanten größtenteils von diesem weiterhin expandierenden tertiären Ausbildungsweg absorbiert werden könnte. Sollten bis zum Jahr 2010 - wie geplant - etwa 4.200 neue Ausbildungsplätze für Anfänger an FHS angeboten werden - geplant sind jährlich 300 Studienplätze -, so würden in diesem Bildungssektor bis zum geplanten Ende der Ausbauphase insgesamt etwa 33-34.000 Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen.

Da die Maturantenzahlen seit 1994 (1993: 30.137; 2003: 38.022; 2012: 42.700) konstant steigen, werden auch die Universitätsanfängerzahlen trotz FHS in den kommenden 10 Jahren wieder leicht zunehmen und um 2012 mit etwa 26.000 Studienanfängern ein Maximum erreichen. Ab diesem Zeitpunkt kann die steigende Bildungsbeteiligung den demographischen Rückgang unter den gegebenen Bedingungen nicht mehr kompensieren.

Der schon in den Neunzigerjahren beobachtete Trend steigender Erfolgsraten setzte sich fort und wurde durch die Einführung der Studienbeiträge noch deutlich verstärkt. Da gleichzeitig die stärksten Jahrgänge ein spätes Abschlussalter erreicht haben (der Anteil der Studierenden, die 10 und mehr Jahre inskribiert sind, betrug 1980 bei den Männern 14% bei den Frauen 8%, 2000 33% bzw. 26% und 2001 27% bzw. 21%), ist bis etwa 2018 mit insgesamt leicht steigenden Erstabschlüssen zu rechnen. Durch den zügigen Ausbau der FHS wird allerdings auch der Großteil des zukünftigen Wachstums der Hochschulabschlüsse von diesen beigesteuert werden.


Entwicklung der Zahl der männlichen Maturanten nach Schulformengruppen und ihres prozentuellen Anteils am Durchschnitt der 18- bis 21-jährigen Bevölkerung (BevAnt)

Quelle: Hochschulplanungsprognose 2005 Institut für Demographie


Entwicklung der Zahl der weiblichen Maturantinnen nach Schulformengruppen und ihres prozentuellen Anteils am Durchschnitt der 18- bis 21-jährigen Bevölkerung (BevAnt)

Quelle: Hochschulplanungsprognose 2005 Institut für Demographie


Entwicklung der Zahl der erstmalig zugelassenen inländischen ordentlichen Studierenden bis zum Jahr 2025

Anmerkung: AntØ18-22JBM/W = Anteil der Studienanfänger an Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Akademien am Durchschnitt der vier Jahrgänge der 18- bis unter 22-Jährigen. Quelle: Hochschulplanungsprognose 2005 Institut für Demographie


Entwicklung der Studierendenzahlen bis zum Jahr 2025

Quelle: Hochschulplanungsprognose 2005 Institut für Demographie


Entwicklung der Zahl der (Erst-)Abschlüsse an Universitäten und Fachhochschulen

Anmerkung: AntBevM/W/UNI+FHS = Anteil der (Erst-)Abschlüsse an Universitäten (und Fachhochschulen) am Durchschnitt der fünf Jahrgänge der 25- bis unter 30-jährigen Bevölkerung. Quelle: Eigene Berechnungen Institut für Demographie


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Rückfragen:
DI Dr. Frank Landler
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