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28.02.2006

Sprachen der Zivilisation

Internationales Symposium am 2. und 3. März 2006



Zwischen 1840 und 1870 fanden in Südosteuropa sowohl auf politischer als auch auf gesellschaftlicher Ebene große Veränderungen statt. Neue Staaten wie Griechenland oder Serbien entstanden. In der Habsburgermonarchie führte das Revolutionsjahr 1848 zu politischen Umwälzungen. Im Osmanischen Reich kam es zu Reformversuchen und Aufständen und schließlich 1865 zu einer neuen administrativen Gliederung. "Politische und gesellschaftliche Veränderungen sowie der technische Fortschritt der damaligen Zeit, zum Beispiel der Bau von Eisenbahnen und Straßen oder die Militärtechnologie haben sich naturgemäß auf die Entwicklung der Sprachen im 19. Jahrhundert niedergeschlagen", sagt Gerhard Neweklowsky, Mitglied der Balkan-Kommission der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW).

Wie dieser Einfluss konkret ausgesehen hat, ist Thema des von der Balkankommission der ÖAW gemeinsam mit der Österreichischen Gesellschaft für Neugriechische Studien veranstalteten Symposiums "Herrschaft, Staat und Gesellschaft in Südosteuropa aus sprach- und kulturhistorischer Sicht - Erneuerung des Zivilisationswortschatzes im 19. Jahrhundert" am 2. und 3. März 2006 in Wien.

Zu Wort kommen Expertinnen und Experten aus Österreich, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Rumänien und Ungarn. Der politische Wortschatz der kroatischen Zeitungssprache um das Revolutionsjahr 1848 wird ebenso thematisiert wie die Entwicklung politischer Terminologien in Albanien oder in Griechenland.

Eine besondere Rolle in der Entwicklung der südosteuropäischen Sprachen kommt der Habsburgermonarchie zu: "Einflussreiche Gelehrte und Politiker haben oft in Wien studiert", erklärt Gerhard Neweklowsky. Gesetze oder Verordnungen wurden in den Ländern der Habsburgmonarchie in die Sprachen der Länder übersetzt. Neweklowsky: "Dabei übte die deutsche beziehungsweise ungarische Vorlage einen großen Einfluss auf die verschiedenen Sprachen aus."

Projekt Zivilisationswortschatz in Südosteuropa

1998 initiierte die Balkan-Kommission der Österreichischen Akademie der Wissenschaften das sprachwissenschaftlich orientierte Projekt "Der Zivilisationswortschatz im südosteuropäischen Raum 1840-1870 - Herrschaft und Staat". Mit dem Projekt betraten die Forscherinnen und Forscher wissenschaftliches Neuland: "Die sprach- und begriffshistorische Auseinandersetzung in Zusammenhang mit der Herausbildung neuer Staaten und der Umgestaltung alter Staatswesen ist bislang kaum durchgeführt worden", so Maria A. Stassinopoulou, Mitglied der Balkan-Kommission der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Neugriechische Studien.

Ziel des Projekts ist, insgesamt fünf, dem Balkanraum beziehungsweise der Balkanraumnähe zuzuordnende Sprachräume, in ihren zivilisatorischen Entwicklungen im 19. Jahrhundert zu vergleichen: den bosnisch-kroatisch-serbischen, den bulgarischen, den griechischen, den türkischen und den rumänischen. Erste Forschungsergebnisse wurden im Buch "Herrschaft und Staat. Untersuchungen zum Zivilisationswortschatz im südosteuropäischen Raum 1840-1870" (erschienen 2004 im Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften) zusammengefasst. Eine weitere aus dem Projekt gewachsene und 2005 erschienene Monographie "Die Entwicklung des Zivilisationswortschatzes im südosteuropäischen Raum im 19. Jahrhundert" wird im Rahmen des Symposiums präsentiert.


Balkankommission der ÖAW
Die Balkankommission der ÖAW wurde bereits 1897 als "Kommission für die historisch-archäologische und philologisch-ethnographische Durchforschung der Balkanhalbinsel" eingesetzt. Die Erforschung des Ausbaus der Schriftsprachen im Südosten Europas ist ein aktueller Schwerpunkt der Kommission.
Balkankommission der ÖAW

Gesellschaft für Neugriechische Studien
Die Österreichische Gesellschaft für Neugriechische Studien wurde 1988 gegründet. Sie ist Gründungsmitglied der Europäischen Gesellschaft für Neugriechische Studien und kooperiert seit ihrer Gründung eng mit nationalen und internationalen Institutionen in der Verbreitung von neuesten Forschungsergebnissen in ihrem Fachgebiet, darunter mit der Balkankommission der ÖAW.
Österreichische Gesellschaft für Neugriechische Studien


Kontakt:
Univ. Prof. Dr. Maria A. Stassinopoulou
T +43 1 4277-41005
maria.stassinopoulou@univie.ac.at


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