Mehr Wissen, mehr Wert, mehr Verantwortung
ÖAW-Wissenschafter bei Alpbacher Technologiegesprächen
Wissenschafter der ÖAW lieferten bei den diesjährigen Alpbacher Technologiegesprächen Impulse zu den Spannungsfeldern: Wissenschaft und Demokratie, Informationstechnologien und Privatsphäre und zum Wettbewerb um die besten Köpfe.
Forscher der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) waren bei den Alpbacher Technologiegesprächen 2006 vom 24. bis 26. August eingeladen zum Thema "Komplexität, Konvergenz, Gewissheit - Der Prozess von der Wissenschaft zur Technologie" zu sprechen. Beiträge von Beiträge von Peter Schuster (designierter Präsident der ÖAW), Dieter Schweizer (Direktor des GMI - Gregor Mendel Institut für Molekulare Pflanzenbiologie der ÖAW), Josef Penninger (Direktor des IMBA - Institut für Molekulare Biotechnologie der ÖAW) und Johann Cas (Projektleiter am Institut für Technikfolgenabschätzung der ÖAW) betrafen das Spannungsverhältnis Wissenschaft und Gesellschaft.
Auf der Suche nach Sicherheit
Johann Cas vom Institut für Technikfolgenabschätzung wies in seinem Impulsreferat auf die ambivalenten Nutzungsmöglichkeiten moderner Informations- und Kommunikationstechnologien hin. Technisch sei es möglich, den Alltag mit diesen Technologien immer mehr zu durchdringen. Die fortschreitende Miniaturisierung und immer leistungsstärkere Computer würden es ermöglichen, im Namen der Sicherheit die Privatsphäre beliebiger Personen unbemerkt zu verletzen. Der Technikfolgen-Experte mahnte, sich darüber im Klaren zu sein, dass jede Absicherung der Umwelt das selbstbestimmte Handeln und - in letzter Konsequenz - sogar die Demokratie durch Missbrauch der Technologie gefährden könne.
Dieter Schweizer vom GMI strich das enorme Potenzial von Pflanzen für die Verbesserung der Lebensumstände einer rasch wachsenden Weltbevölkerung heraus. Die Biotechnologie der Pflanzen nimmt laut Schweizer eine Schlüsselrolle ein, um die Ernährung sicher zu stellen und Menschen mit nachwachsenden Rohstoffen sowie mit Medikamenten zu versorgen. Derzeit werde das Potenzial in Europa nicht richtig genützt, weil man hier gentechnische Methoden bei der Züchtung neuer Sorten aus Angst vor unabsehbaren Folgen weitgehend ausschließe. Dieter Schweizer setzte sich in seinem Vortrag für einen Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft ein, bei dem Bedenken zur Sicherheit ebenso wie Ziele und Methoden der Pflanzenforschung zur Sprache kommen sollen. Für Laien sei dieser Dialog eine Chance, sich ein fachlich fundiertes Urteil zu bilden. Nicht überall stünden die Menschen der Grünen Gentechnik so skeptisch gegenüber wie in großen Teilen Europas: Dieter Schweizer berichtete, dass Landwirte bereits seit elf Jahren gentechnisch hergestelltes Saatgut verwenden - mittlerweile achteinhalb Millionen Bauern in 21 Ländern (fünf davon in Europa). In Entwicklungsländern treiben, dem Direktor des GMI zufolge, eher staatliche Forschungseinrichtungen - und weniger multinationale Konzerne - die Biotechnologie bei Pflanzen voran.
Auf der Suche nach Talenten
Peter Schuster betonte wie wichtig es ist, die Karrieremöglichkeiten für junge Forscher(innen) zu verbessern um "Brain Drain" vorzubeugen. Flache Hierarchien, Mut zum Risiko und eine große Vielfalt an Forscher(innen) unterschiedlicher Herkunft erscheinen ihm als ein optimales Umfeld für junge Talente.
Josef Penninger vom IMBA ist überzeugt, dass nur Institutionen, die für junge Talente aus der ganzen Welt attraktiv bleiben, auch in Zukunft erfolgreich sein werden. Forschungseinrichtungen der ÖAW, wie etwa die Tochtergesellschaften CeMM, GMI und IMBA oder das ÖAW-Institut für Quantenoptik und Quanteninformation, böten hervorragende Arbeitsbedingungen und könnten international um die besten jungen Wissenschafter(innen) konkurrieren. Die jungen Talente suchen laut Josef Penninger nach Institutionen, die große wissenschaftliche Freiheit gewähren und eine gute Forschungsinfrastruktur anbieten; dafür stellen sie sich einer strengen internationalen Evaluierung.
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