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Kongress zur lateinischen Paläographie in Wien

Vom 13. bis 17. September 2005 findet an der ÖAW der internationale Kongress  "Regionalismus und Internationalismus: Probleme der Paläographie und der Kodikologie des Mittelalters" statt



Handschriften waren bis zur Erfindung des Buchdrucks in der Mitte des 15. Jahrhunderts die einzigen Träger der Textüberlieferung. Sie tradieren Texte aus allen Wissensgebieten (beispielsweise Theologie, Philosophie, Medizin und Astronomie), Gebrauchstexte (von Rechtssammlungen und Predigten bis zu Kochrezepten) und literarische Texte.

Für alle Wissenschaftsdisziplinen, die sich mit diesen Texten beschäftigen, ist die Kenntnis von Entstehungszeit- und -ort der Manuskripte, die diese Texte enthalten, unerlässlich. Der weitaus überwiegende Teil aller in lateinischer Schrift geschriebenen mittelalterlichen Codices enthält jedoch keine Angaben zum Zeitpunkt und Ort ihrer Niederschrift. Hier setzt die Paläographie, die Wissenschaft von der Geschichte der Schrift, an: Sie entwickelt ein Instrumentarium, mit dessen Hilfe eine zeitliche und räumliche Einordnung handschriftlicher Dokumente ermöglicht wird.

Von besonderer Schwierigkeit ist die Bestimmung des Entstehungsortes einer Handschrift, weil dieser häufig nicht mit ihrem heutigen Aufbewahrungsort - in der Mehrzahl der Fälle eine staatliche Bibliothek - übereinstimmt. Der Ort oder die Region der Niederschrift eines Manuskriptes kann jedoch ermittelt werden, wenn es gelingt, in der Schrift des Manuskriptes die regionalen Besonderheiten vor dem Hintergrund der internationalen Schriftentwicklung zu erkennen.

Diesem Problembereich widmen sich die Referate des 15. internationalen Kongresses zur lateinischen Paläographie, der vom 13. bis 17. September 2005 an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) stattfindet. Er ist dem Thema "Regionalismus und Internationalismus: Probleme der Paläographie und der Kodikologie des Mittelalters" gewidmet. 35 Experten aus 14 europäischen Staaten sowie aus Israel, Australien und den USA stellen den aktuellen Stand der Forschung vor.

Der Bogen der Vorträge spannt sich von Sonderformen der Schrift der karolingischen Epoche über die Entwicklung portugiesischer Regionalschriften im 11. Jahrhundert bis zu Merkmalen der Schrift in böhmischen Stadtkanzleien des späten 15. Jahrhunderts.

Comité International de Paléographie Latine
Veranstaltet wird der Kongress vom Comité International de Paléographie Latine. Zu den Hauptaufgaben des Comité zählt die wissenschaftliche Erforschung der Entwicklung der lateinischen Schrift vom Altertum bis zum Ende des 16. Jahrhunderts. Es publiziert illustrierte Kataloge mit Schriftbeispielen aus eindeutig datierten Handschriften: Dadurch wird der Forschung ein Hilfsmittel in die Hand gegeben, das es erlaubt, die große Masse undatierter handschriftlicher Manuskripte durch Vergleich mit Abbildungen datierter Schriften zeitlich einzuordnen.

Ein weiteres wichtiges Projekt des Comité ist die weltweite Vereinheitlichung der Begriffe, die zur Beschreibung des äußeren Erscheinungsbildes einer mittelalterlichen Handschrift (zum Beispiel Beschreibstoff, Schrift, Buchschmuck, Einband) verwendet werden. Entsprechende Lexika stehen bereits in den Sprachen Französisch, Italienisch und Spanisch zur Verfügung.

Um die internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Paläographie zu intensivieren, veranstaltet das Comité regelmäßig internationale Kongresse, auf denen Fachgelehrte die Ergebnisse ihrer Forschungen aus den Bereichen der Paläographie, der Urkundenlehre, Buchmalerei, Einbandkunde und Inschriftenkunde präsentieren. Die Vorträge dieser Tagungen werden in einem Sammelband veröffentlicht.


Wissenschaftlicher Kontakt:
Univ. Prof. Dr. Otto Kresten
Kommission für Schrift und Buchwesen des Mittelalters
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Postgasse 7-9, 4. Stiege, 3. Stock
A 1010 Wien
T +43 1 4277-42010
Otto.Kresten@univie.ac.at
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