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05.01.2005

Geschichte neu schreiben

Moderne Erforschung der Vandalen ist Thema eines internationalen Workshops des ÖAW-Instituts für Mittelalterforschung





Erstmals findet von 14. bis 15. Jänner am Institut für Mittelalterforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Wien eine Tagung zum Thema "Das Reich der Vandalen und seine Vorgeschichte(n)" statt. Im Zentrum steht die Frage nach Herkunft, Entwicklung und Bedeutung der Vandalen. Teilnehmer sind 20 Wissenschaftler aus Europa und Tunesien. Der Workshop wird gemeinsam mit dem "Institut zur Interdisziplinären Erforschung des Mittelalters und seines Nachwirkens" mit Sitz in Paderborn veranstaltet.

Die Vandalen gelten ursprünglich als Völkergruppe, deren Herkunft nicht restlos geklärt ist. Sie drangen 406 n. Chr. ins römische Reich ein. Ab 409 n. Chr. errichteten sie kurzlebige Herrschaftsgebiete in Spanien sowie im Gebiet des heutigen Tunesien von 429 bis 533 n. Chr. ein längeres Regnum. Der Workshop bündelt internationale Forschungsergebnisse der Geschichte der Vandalen. Längerfristig bildet dies eine Basis für die neue Aufarbeitung und historische Darstellung. Wichtige Impulse erhoffen sich die Experten durch die Einbettung der Vandalengeschichte in die Forschung zur spätantiken Mittelmeerwelt. Im Kontrast zu älteren Ansätzen bis in die 1960er Jahre wird heute versucht, jene Prozesse, die zur Bildung ethnischer Identitäten führten, zu ergründen und nicht von wandernden, fertig formierten Völkern auszugehen.

"Es ist erwiesen, dass die Vandalen erst im Lauf der Geschichte zu einem Volk wurden. Was römische Zeitgenossen der Vandalen als einen Stamm im Sinne einer biologisch determinierten Gemeinschaft ansahen, war ein Verbund mehrerer, oft recht mobiler Gruppen, die sich als ethnische Gemeinschaft ständig neu behaupten mussten." So erklären Walter Pohl, Leiter des Forschungsprojektes zur Geschichte der Vandalen am ÖAW-Institut für Mittelalterforschung und Roland Steinacher, wissenschaftlicher Mitarbeiter dieses Projekts, die wissenschaftliche Perspektive. Die Entstehung der Vandalen sei ebenso wie ihre Entwicklung und Bedeutung im Lauf der Geschichte bis heute nicht vollständig geklärt. "Im Gegensatz zum Umgang mit dem Wort Vandalen in der Öffentlichkeit, welches von der Konnotation jeglicher Grundlage entbehrt, versuchen wir, die Geschichte dieser Völkergruppe auf wissenschaftlicher Basis neu zu schreiben. Die Tagung ist dazu ein sehr wichtiger Beitrag", sagen Pohl und Steinacher.

Das ÖAW-Institut für Mittelalterforschung leistet seit rund zwei Jahren mit dem FWF-Forschungsprojekt zur "Historischen Ethnographie der Vandalen" wichtige Beiträge. Dieses bis Oktober 2005 laufende Projekt soll ebenso wie der Workshop Lücken schließen und bisher nicht oder kaum dargestellte Aspekte der vandalischen Geschichte thematisieren. Die Erforschung von Herkunft, Entwicklung und Bedeutung der Vandalen ist nur ein Teilaspekt des Gesamtforschungsschwerpunktes zur Entstehung der Völker Europas, der am Institut für Mittelalterforschung durchgeführt wird.


Termin:
14.-15. Jänner 2005
Internationaler Workshop
Das Reich der Vandalen und seine Vorgeschichte(n)
Veranstaltet vom Institut für Mittelalterforschung der ÖAW und dem Institut zur Interdisziplinären Erforschung des Mittelalters und seines Nachwirkens, Paderborn

Ort:
Seminarraum der ÖAW-Forschungseinheiten
Prinz Eugen-Straße 8 / 2. Stock
A-1040 Wien

Programm

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