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01.12.2005

Rätsel um Herkunft Walthers von der Vogelweide entschlüsselt?

Neue Publikation der ÖAW versucht Antwort



Schon seit Jahrhunderten wird in Mitteleuropa nach der Heimat und auch der Herkunft Walthers von der Vogelweide gesucht. Ein schriftlicher Nachweis dazu existiert bis heute nicht. Die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) veröffentlicht nun in ihren "Sitzungsberichten" eine umfassende Theorie zu Herkunft und Heimat Walthers von der Vogelweide.

Zahlreiche Orte aus Südtirol, Schweiz, Böhmen und Deutschland beanspruchten in der Vergangenheit, Herkunftsort Walthers von der Vogelweide zu sein. Der Wiener Privatforscher Walter Klomfar hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten in akribischer Detailarbeit aus Quellenstudien, Archivrecherchen, Dokumentenanalyse und Feldarbeit die Hypothese entwickelt, dass Walther von der Vogelweide mit höchster Wahrscheinlichkeit aus dem heute verödeten, mittelalterlichen Dorf Walthers bei Zwettl, NÖ., stammt.

Ausgangspunkt der Forschungen Klomfars war Walthers eigene Aussage, wonach er "in Österreich singen und sagen lernte". Zu seiner Zeit wurden im Wesentlichen das heutige Wien und Niederösterreich als "Österreich" bezeichnet, sodass Herkunftsorte außerhalb dieses Gebiets auszuschließen sind. Für den Ort Walthers bei Zwettl konnte Klomfar aufgrund einer historischen Karte, die von Mönchen des Stiftes Zwettl im 17. Jahrhundert im Rahmen einer juristischen Auseinandersetzung angefertigt worden war, nachweisen, dass östlich an das Dorf Walthers angrenzend eine Gegend "Vogelwaidt" mit zugehörigem Hof existierte. Auch ein in dieser Karte eingezeichneter Brunnen konnte zum Nachweis der Qualität der Karte wieder ergraben und rekonstruiert werden. Aus verschiedensten Quellen aus niederösterreichischen Archiven konnte Klomfar auch die Besitzgeschichte dieses Gebiets teilweise rekonstruieren und das Vorhandensein des Namens Walther nachweisen.

Dass Walther eine gute musikalische und literarische Ausbildung genossen haben muss, steht bei Experten außer Frage. Nach Klomfars Darstellung könnte diese Ausbildung im dem Dorf Walthers nahe gelegenen Stift Zwettl erfolgt sein.

Aus der "Alterselegie" Walthers von der Vogelweide geht hervor, dass er offensichtlich lange Zeit nicht in seiner Heimat gewesen ist, und diese dann völlig verändert vorfand - ein Hinweis auf große Rodungen in der Zwettler Gegend, die nachweisbar um 1200 stattgefunden haben. In anderen Landesteilen waren Rodungen um diese Zeit bereits weitestgehend abgeschlossen. Aus der Alterselegie lässt sich auch schließen, dass Walther von der Vogelweide aus einer Region gekommen sein musste, die abseits der zentralen mittelalterlichen Verkehrswege gelegen war.

Die vorliegende Arbeit des Wiener Privatforschers Walter Klomfar fügt die vorhandene Evidenz zu einer schlüssigen Theorie zusammen, die mit der Publikation in dem von Helmut Birkhan, Professor am Institut für Germanistik der Universität Wien, herausgegebenen Sammelband "Der 800jährige Pelzrock - Walther von der Vogelweide, Wolfger von Erla, Zeiselmauer" nun auch von den Experten des Germanistik-Instituts der Universität Wien sowie Mitgliedern der Österreichischen Akademie der Wissenschaften unterstützt wird.


Bibliographie:
Helmut Birkhan (Hg.)
Der 800jährige Pelzrock
Walther von der Vogelweide - Wolfger von Erla - Zeiselmauer
2005, 579 Seiten, zahlr. Abb., 24x17cm, broschiert, ISBN 3-7001-3467-3, EUR 70,--


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