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22.08.2005

NOIDESc - Lärm objektiv erfassen

Forscher der ÖAW entwickeln neues Beurteilungsschema für Lärmsignale



Objektiv ist Lärm Schall, physikalisch messbar als Schalldruck über Frequenz, Raum und Zeit. Doch subjektiv ist Lärm nicht gleich Lärm: Der eine schläft am besten, wenn daneben der Fernseher in voller Lautstärke läuft. Den anderen bringt schon der berühmte tropfende Wasserhahn zum Rasen.

Im Rahmen des Projektes NOIDESc (Noise Description) entwickeln Wissenschafter um Werner Deutsch vom ÖAW-Institut für Schallforschung ein von der subjektiven Lärmbewertung und den damit verbundenen psychologischen Schwankungen unabhängiges Klassifikationssystem für Lärmsignale.

Die Begriffe Lärmbelästigung, erhebliche Lärmbelästigung oder gesundheitsrelevante Störung sind anhand von medizinisch-psychologischen Daten definiert. So werden Daten zur Lästigkeit von Lärm häufig mittels psychologischer Messmethoden - beispielsweise über Fragebögen - erhoben. "Durch die derzeit üblichen, statistischen Analyseverfahren kann jedoch nur ein Teil der relevanten Variablen erfasst werden", sagt Werner Deutsch. Weitere bestimmende Faktoren wie das unterschiedliche Bedürfnis nach Ruhe oder die subjektive Einstellung gegenüber dem Lärmverursacher müssen häufig vernachlässigt werden.

Mit NOIDESc soll ein Beurteilungsschema entstehen, das Lärm weitgehend automatisch auswertet und detailliert beschreibt. Beispielsweise können von Monitoring-Systemen zur Überwachung von Bahn- oder Straßenlärm gemessene Lärmsignale mit Referenzsignalen in einer Datenbank verglichen und so der Grad der Lärmbelastung auf objektiver Basis zugeordnet werden. Dabei werden auch einzelne, besonders auffällige Ereignisse erfasst, die sich von den üblichen Lärmquellen abheben.

Bei der Beschreibung der Lärmsignale werden nicht nur - wie bei der traditionellen Lärmmessung - Summenpegel und Durchschnittswerte erhoben, sondern auch die spezifische Frequenzcharakteristik und der zeitliche Verlauf nach Ähnlichkeitskriterien berücksichtigt. Denn die auditive Wirkung von nach dem Pegel gleich beurteilten Lärmsignalen kann sehr unterschiedlich sein.

"Das von uns entwickelte Deskriptionsschema kann als Vorschlag für eine EU-weite Lärmerfassung dienen", so Werner Deutsch. Länderspezifische und regionale Signaldatenbanken könnten errichtet werden. Ein überregionaler Vergleich wird möglich.

Projektpartner ist die Versuchanstalt TGM in Wien, Fachbereich Akustik und Bauphysik. NOIDESc wird vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit) gefördert. Das Projekt startete Anfang 2005. Ende 2006 soll es abgeschlossen sein.


Wissenschaftlicher Kontakt:
HR Univ. Doz. Dr. Werner Deutsch
Institut für Schallforschung
Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)
Reichsratstraße 17
A-1010 Wien
T +43 1 4277-29501
Werner.Deutsch@oeaw.ac.at
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