Communicating Europe
Die Europäische Union - Imagined Community und demokratische Handlungsfelder / Podiumsdiskussion und Workshop
Die EU-Integration ist nicht allein ein politisch-ökonomischer, sondern vor allem auch ein mentaler Prozess. Die Konstruktion einer europäischen Identität auf der Basis von antiken Mythen und dem "kulturellen Erbe" einer vorgeblich gemeinsamen Geschichte ist allerdings bislang weitgehend wirkungslos geblieben. Der Rückgriff auf die seit dem 19. Jahrhundert selbstverständlich gewordenen tools nationaler Identitätsbildung - Symbole und Rituale des Nationalen wie Fahne, Hymne, Feiertage, Gedächtnisorte etc. - scheint auf der Ebene eines supranationalen Staatenverbandes nicht zu greifen.
Kulturwissenschaftliche Perspektiven auf EU-Europa: Europa als "imagined community"
Betrachtet man Kollektive als "imagined communities" (Benedict Anderson), so ist EU-Europa dennoch kein weißer Fleck auf der mental map kollektiver Vorstellungen: Im öffentlich-medialen Kommunikationsraum zirkulieren permanent Narrative über die EU, durch die identitätsstiftende Images über das Projekt Europa generiert werden. Diese Generierung erfolgt allerdings nicht allein oder nicht einmal vorrangig durch jene Texte / Narrative, die gemeinhin als repräsentativ für die Europäische Union angesehen werden (da sie von den repräsentativen politischen Organen der Europäischen Union produziert werden) - Verträge, Gesetzestexte, Verordnungen, offizielle Erklärungen etc. -, vielmehr sind es die in der medialen Kommunikation präsenten Darstellungen, von denen die Vorstellungen / Imaginationen über EU-Europa geprägt werden. Welche Vorstellungen über die EU dabei kommuniziert werden, welche politischen Handlungsfelder damit eröffnet werden, soll im Rahmen von COMMUNICATING EUROPE diskutiert werden.
Europa als visuelles Narrativ: Das Projekt ICONCLASH
Das Repertoire der "vorgestellten Gemeinschaft" EU-Europa, ihrer gemeinsamen Charakteristika und ihrer politischen und kulturellen Grenzziehungen - d.h. ihrer Identität - wird demnach vor allem auch in den kontinuierlichen "Erzählungen Europas über sich selbst" generiert bzw. konstruiert. Der visual turn in den Kulturwissenschaften hat allerdings darauf aufmerksam gemacht, dass es nicht allein Diskurse sind, durch die Identitäten konstruiert werden, sondern vor allem auch Bilder, die wirkungsmächtig kollektive Vorstellungen prägen.
Das Projekt ICONCLASH. KOLLEKTIVE BILDER UND DEMOCRATIC GOVERNANCE IN EUROPA (Forschungsprogramm "node" New Orientations for Democracy in Europe des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur bm:bwk), in dessen Rahmen COMMUNICATING EUROPE konzipiert wurde, geht davon aus, dass den visuellen Narrativen über Europa eine besondere Bedeutung zukommt. Auf der Ebene des Visuellen bzw. der Kodifizierung von visuellen Symbolen europäischer Identität setzen zum einen die klassischen Formen politischer Selbstdarstellung bzw. von Identitätspolitik an: Fahne, Geldscheine und Münzen, Imagekampagnen etc.
In diesem Workshop (bzw. im Projekt ICONCLASH) soll die Aufmerksamkeit aber vor allem auf jene scheinbar neutralen, "authentischen" fotografischen Abbildungen der sozialen Wirklichkeit gerichtet werden, die in den (all-)täglichen medialen surroundings permanent präsent sind bzw. reproduziert werden und die - so die Ausgangsthese von ICONCLASH - Vorstellungen über EU-Europa weitaus stärker prägen als offizielle Darstellungen und Kampagnen zur Stärkung einer europäischen Identität. Gerade weil die fotografischen Darstellungen der Wirklichkeit in der medialen Wahrnehmung mit dem Versprechen einer unmittelbaren Wiedergabe der Realität (Evidenz) verbunden werden, entfalten sie ein wirkungsmächtiges Potential im Hinblick auf die Generierung von affektiven, emotional getönten Vorstellungen von Europa (im positiven wie im negativen Sinn).
Zielsetzungen von Podiumsdiskussion & Workshop COMMUNICATING EUROPE
Das Forschungsfeld Europäische Union wird - zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung - zumeist von politik- oder institutionengeschichtlichen Zugängen oder aber von den anwendungsorientierten Themenstellungen der EU-Forschungsprogramme dominiert. Ziel der Podiumsdiskussion und des Workshops COMMUNICATING EUROPE. DIE EUROPäISCHE UNION - IMAGINED COMMUNITY UND DEMOKRATISCHE HANDLUNGSFELDER ist es, Einblick in innovative, kulturwissenschaftlich orientierte Forschungsprojekte zu geben, die eine theoretisch anschlussfähige Perspektive auf EU-Europa entwickeln - den Konsequenzen des lingustic bzw. visual turn in den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften entsprechend stehen dabei Fragen der Konstruktion und Kommunikation kollektiver Vorstellungen bzw. Identitäten im Vordergrund. Durch das Format der Podiumsdiskussion (bzw. den Bericht in den ORF-Ö1-Dimensionen am 2. Juni 2004) sollen diese Forschungsansätze über die scientific community hinaus einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Termine:
27. Mai 2004, 18:00 Uhr
Podiumsdiskussion
Die Europäische Union - Imagined
Community und demokratische Handlungsfelder
Österreichische Akademie der Wissenschaften, Theatersaal
Sonnenfelsgasse 19, 1010 Wien
Programm
28. Mai 2004, 9.00-12.30, 14.00-17.30
Workshop
Europa zwischen diskursiver Konstruktion und demokratischen Handlungsfeldern
Clubraum, Hauptgebäude der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
Dr. Ignaz Seipel-Platz 2, 1010 Wien
Programm
Veranstalter:
Kommission für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und Demokratiezentrum Wien
Kontakte:
Heidemarie Uhl
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Kommission für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte
Postgasse 7-9/IV/3, 1010 Wien
Tel: +43 1 515 81-3618
E-Mail: heidemarie.uhl@oeaw.ac.at
ICONCLASH - KOLLEKTIVE BILDER UND DEMOCRATIC GOVERNANCE IN EUROPA, ein Forschungsprojekt im Rahmen des Forschungsprogramms "node" New Orientations for Democracy in Europe des bm:bwk
Gertraud Diendorfer
Demokratiezentrum Wien, Hegelgasse 6/6, 1010 Wien
Tel: +43 1 512 37 37-11
E-Mail: diendorfer@demokratiezentrum.org
Webtipps:
www.demokratiezentrum.org
www.oeaw.ac.at/kkt
www.node-research.at
Büro für Öffentlichkeitsarbeit
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Dr. Ignaz Seipel-Platz 2, A-1010 Wien
Tel: +43 (1) 51581-1219
Fax: +43 (1) 51581-1227
E-Mail: marianne.baumgart@oeaw.ac.at

