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17.08.2004

Schlüsselmolekül für die Entstehung von Autoimmunerkrankungen identifiziert

ÖAW-Forscher an Studie zur Aufklärung der Entstehungsmechanismen  von Arthritis und anderen Autoimmunerkrankungen beteiligt /  Fortschritte bei der Prävention und Behandlung dieser Krankheiten erhofft



Ein Forscherteam aus Österreich und den USA hat entdeckt, dass ein bestimmtes Molekül - genannt Cbl-b - eine entscheidende Rolle bei der Verhinderung von Autoimmunerkrankungen spielt. Josef Penninger, Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, und Yun-Cai Liu, La Jolla Institute for Allergy & Immunology (LIAI) in San Diego, California, stellten in ihren Untersuchungen fest, dass das Vorhandensein oder Nicht-Vorhandensein des Moleküls Cbl-b entscheidend für die Erkrankung an Arthritis ist. Die Forschungsergebnisse werden in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsjournals "Immunity" publiziert. (Essential Role of the E3 Ubiquitin Ligase Cbl-b in T Cell Anergy Induction, Immunity, August 2004)

Die auf Studien an Mäusen basierende Entdeckung kann, so hoffen die Wissenschaftler, wichtige Auswirkungen auf die künftige Entwicklung von Therapien von Autoimmunerkrankungen wie Arthritis und Diabetes haben. Autoimmunerkrankungen treten auf, wenn das Immunsystem, das normalerweise eindringende Krankheitserreger abwehrt, stattdessen sich fälschlicherweise gegen den eigenen Körper wendet, was zu Erkrankungen führt. Im Rahmen der aktuellen Studie konnte ein für diese Abläufe entscheidender Faktor, das so genannte Cbl-b-Molekül bestimmt, und auch der Funktionsmechanismus aufgeklärt werden. "Dieses Molekül kontrolliert die Immuntoleranz gegen den eigenen Körper. Es bewirkt, dass die eigenen weißen Blutkörperchen uns selbst nicht attackieren, weil Cbl-b das verhindert", sagt Josef Penninger.

Ihre Untersuchungen führten die Forscher an zwei Gruppen von Mäusen durch. Bei der einen Gruppe war durch genetische Veränderung das Cbl-b-Molekül entfernt worden, die andere Gruppe bestand aus normalen Mäusen, die über das Cbl-b-Molekül verfügten. Beide Gruppen wurden mit Substanzen behandelt, die Arthritis auslösen. Es zeigte sich, dass unter diesen Bedingungen die normalen Mäuse keinerlei Reaktion zeigten, während die Gruppe, bei der das Cbl-b-Molekül ausgeschaltet worden war, schwere Autoimmunerkrankungen entwickelte.

"Wir schließen daraus, dass das Cbl-b-Molekül die Immunantwort der T-Zellen beeinflusst und dem Immunsystem der normalen Mäuse die Fähigkeit verleiht, die Erreger der Autoimmunkrankheiten zu bekämpfen", sagen die Wissenschaftler. Die Mäuse, bei denen kein Cbl-b-Molekül vorhanden war, konnten diese Substanzen nicht tolerieren und ihre T-Zellen begannen, ihr eigenes Körpergewebe anzugreifen, was zur Ausbildung von Autoimmunerkrankungen führte.

Ziel der Forscher ist es, die sehr komplexen molekularen Mechanismen bei der Verhinderung von Autoimmunreaktionen durch Cbl-b zu verstehen. Diese Forschungsergebnisse stellen einen wichtigen Schritt bei der Aufklärung der Entstehung von Autoimmunkrankheiten dar. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen soll es eines Tages möglich sein zu verstehen, warum manche Menschen an Arthritis oder anderen Autoimmunkrankheiten erkranken und andere nicht. Darüber hinaus erhoffen sich die Wissenschaftler neue Strategien bei der Entwicklung von Impfstoffen und anderen Medikamenten zur Vorbeugung und Behandlung dieser Krankheiten.

Diese Studien wurden von der ÖAW, vom Bundesministerium für Bildung Wissenschaft und Kultur und der EU (EuroThymaid Network) unterstützt.

Kontakt:
Prof. Dr. Josef Penninger
Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA)
Österreichische Akademie der Wissenschaften
T +43 1 79730-454
email: josef.penninger@imba.oeaw.ac.at
www.imba.oeaw.ac.at

Büro für Öffentlichkeitsarbeit
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Dr. Ignaz Seipel-Platz 2, A-1010 Wien
T +43 1 51581-1219
F +43 1 51581-1227
email: marianne.baumgart@oeaw.ac.at