Forschungsinitiative in Österreich?
Gemeinsame Pressekonferenz der Präsidenten der ÖAW, ...
Forschungsinitiative in Österreich?
Statement des Präsidenten der Österreichischen Akademie der
Wissenschaften Univ.Prof. Dr. Werner Welzig bei der mit Univ.Prof. Dr. Georg
Wick, Präsident des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung,
und Univ.Prof. Dr. Georg Winckler, Präsident der Österreichischen Rektoren-
konferenz, gemeinsam gegebenen Pressekonferenz zum
Thema "Forschungsinitiative in Österreich?" am 9. April 2003:
WINCKLER - WICK - WELZIG: Wieso diese drei?
Wahrscheinlich, weil sie alle mit "W" anfangen.
Abraham a Santa Clara hat gesagt, dass "W" nicht nur "der allerschwäreste Buch-
stab", sondern auch "ein lamentirlicher Buchstab" sei (WeWe!). Doch wir sind
nicht hier um zu lamentieren. Wir sind hier, weil wir der Öffentlichkeit einige
aktuelle Überlegungen zu dem uns gemeinsamen Bereich der Wissenschaft nahe brin-
gen wollen.
Wir haben uns nicht genau abgestimmt, aber ich bin sicher, dass mein Beitrag zu
dieser Pressekonferenz der kürzeste ist. Mich beschäftigen drei Fragen.
Um sie mir zu merken, nehme ich Hilfe beim Alphabet. Nicht bei den Konsonanten,
wie das W einer ist, sondern bei den Vokalen.
A wie Abfangjäger:
Unserer Regierung ist bewusst, dass für eine wirkungsvolle Verteidigung unseres
Landes gutes militärisches Gerät notwendig ist. Ich stimme dem zu.
Doch: Ist unserer Regierung auch bewusst, dass für die Verteidigung dieses
Landes - Verteidigung in einem weiteren Sinne - gute wissenschaftliche Köpfe und
gute Ausstattung der Arbeitsstätten ebenso notwendig sind. Souveränität in der
Luft ist ein wichtiges Ziel. Qualität am Boden ein nicht weniger wichtiges.
"Jeder Vater denkt in Generationen" heißt es zu Beginn der letzten Regierungser-
klärung. Denken wir auch darüber nach, welche wissenschaftlichen Biotope wir für
die nächste Generation erhalten oder schaffen wollen?
E wie Europa:
Unsere Regierung hat sich konsequent für die Erweiterung der Europäischen Union
eingesetzt.
Doch: Könnte dieses europäische Bewusstsein nicht auch ein Impuls dafür sein,
von Österreich aus europäische Schwerpunktbildungen in der Wissenschaft anzuregen
und diese, soweit es in unserer Kraft steht, auch verantwortlich mitzugestalten? Ange-
sichts der globalen Konkurrenz ist es nicht nur notwendig, den Wissenschaftsstandort
Österreich zu modernisieren. Auch der Standort Europa muss attraktiv sein. Ich behaup-
te, Wissenschaft könnte Element jener aktiven Europapolitik sein, von der in der
Regierungserklärung die Rede ist. Wissenschaft ist heute international vernetzt.
Aber Österreichs universitäre und außeruniversitäre Schwerpunktbildungen
haben sehr oft mit provinziellem Egoismus zu tun.
Ich überspringe das I und das O. Das E führt uns schon zum U (EU!).
U nicht wie Ultimatum oder Universitätsrat oder Union, sondern U wie Utopie:
Es gibt viele, im internationalen Vergleich zumeist kleine, wissenschaftliche
Einrichtungen in diesem Lande.
Doch: Das Fehlen einer österreichischen Wissenschaftspolitik führt dazu,
dass diese Institutionen größtenteils isoliert voneinander existieren. Sehr
bald werden sie wahrscheinlich in Existenzkämpfe miteinander geraten. Sollten
wir nicht aus eigener Kraft und aus eigenen Überlegungen im Verbund mit Wirt-
schaft und Politik einen anderen Weg einschlagen?
Ein einziges Beispiel: Die Einrichtungen der Österreichischen Akademie der
Wissenschaften sollten Ergänzung oder auch Inkubator für das sein, was an der
Universität gemacht wird: Jedenfalls aber Gelegenheit zu stimulierender Auseinan-
dersetzung. Statt Konkurrenz ums Geld intellektuelle und strukturelle Heraus-
forderung. Österreich sollte ein Ort sein, ein erstklassiger Ort, um noch ein-
mal die Regierungserklärung aufzunehmen, an dem die Wissenschaftssysteme mitein-
ander atmen. Auch im europäischen Vergleich wäre dies eine herausfordernde
Leistung. Eine Leistung, auf die Österreich stolz sein könnte.
Utopie ist - wörtlich - der Ort, den es nicht gibt. Doch ich träume davon,
dass es dieses Zusammenwirken in Österreich eines Tages geben wird.
Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF)
Österreichische Rektorenkonferenz (ÖRK)
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Weitere Informationen:
Dr. Marianne Baumgart
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Öffentlichkeitsarbeit
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Tel.: (+ 43 1) 51581/1219, Fax: (+ 43 1) 51581/1275
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