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06.03.2002

ÖAW-Forscherin mit UNESCO-L'Oreal-Stipendium "For Women in Science" ausgezeichnet

L'Oreal und UNESCO fördern Frauenkarrieren in der Wissenschaft



Die Biophysikerin Andrea Hickel, Mitarbeiterin am Institut für Biophysik und Röntgenstrukturforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Graz erhält als erste österreichische Wissenschaftlerin ein UNESCO-L'Oréal-Stipendium "For Women in Science". Jährlich vergeben L'Oréal und die UNESCO weltweit zehn Forschungsstipendien, davon zwei in Europa, an die besten Nachwuchswissenschaftlerinnen auf dem Gebiet der Biowissenschaften.

Während eines feierlichen Festaktes wird am 6. März 2002 im Hauptquartier der UNESCO in Paris der Biophysikerin Dr. Andrea Hickel vom Institut für Biophysik und Röntgenstrukturforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ein Forschungsstipendium überreicht. Mit dieser Auszeichnung im Rahmen der Initiative "For Women in Science" soll ihre herausragende Arbeit im Bereich der Biowissenschaften gewürdigt und deren Fortsetzung an der Universität Oxford ermöglicht werden. Das mit USD 10.000 dotierte Stipendium wird in Anwesenheit von internationaler Prominenz aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft von Lindsay Owen-Jones, Geschäftsführer des L'Oréal-Konzerns, und KoÏchiro Matsuura, Generaldirektor der UNESCO, überreicht.

Andrea Hickel wurde unter den zahlreichen Bewerberinnen als eine von zwei jungen Wissenschaftlerinnen in Europa für dieses Stipendium von einer internationalen, mit hochrangigen BiowissenschaftlerInnen besetzten Jury ausgewählt. Diese tritt jährlich in Paris zusammen, um unter den von den nationalen UNESCO-Kommissionen aus aller Welt eingereichten Anträgen die zwei besten pro Weltregion zu ermitteln (insgesamt 10 Stipendien weltweit). Hervorgehoben wurden Hickels vielversprechende Ergebnisse zur Erforschung neuartiger, auf Grund eines besonderen Angriffsmechanismus wirksamerer Pharmaka gegen Bakterien.

Die 34-jährige Grazerin Dr. Andrea Hickel promovierte 1996 im Fach Chemie an der Technischen Universität Graz. Nach ihrem Studium erhielt sie ein Erwin-Schrödinger-Auslandsstipendium und verbrachte zwei Jahre an der renommierten Universität in Berkeley, wo sie am Department of Chemical Engeneering mittels biophysikalischen Methoden Untersuchungen an Enzymen durchführte. Seit 1999 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Biophysik und Röntgenstrukturforschung der ÖAW in Graz. Darüber hinaus ist sie Lehrbeauftragte am Chemie-Ingenieurskolleg.

Bessere Antibiotika dank antimikrobieller Peptide

Die Biophysikerin erforscht eine völlig neue Methode zur Bekämpfung von Bakterien. Sie arbeitet an der Entwicklung neuer Antibiotika, die im Gegensatz zu herkömmlichen nicht an einer einzelnen Stelle, sondern an der gesamten Zellmembran (Hülle) des Bakteriums angreifen. Die Notwendigkeit, neue Antibiotika zu entwickeln, begründet sie wie folgt: "Bis vor kurzem galten Infektionskrankheiten als kontrollierbar. Dieser Optimismus führte zu einer fatalen Gleichgültigkeit im Umgang mit Antibiotika, so dass sich Krankheitserreger, die massive Multiresistenzen gegen eine Vielzahl von klassischen Antibiotika entwickelt haben, rasant ausbreiten konnten. Verschärft tritt dieses Problem in Krankenhäusern auf, da ein großer Teil der dort übertragenen Infektionen durch antibiotikaresistente Bakterien verursacht wird. Dadurch entstehen allein in den USA jährlich Kosten von 4 bis 5 Milliarden Dollar pro Jahr."

Die neuartigen Antibiotika basieren auf sogenannten Abwehrpeptiden (antimikrobielle Peptide). Der Hauptvorteil dieser Wirkstoffe liegt darin, dass sie Bakterien binnen weniger Minuten durch einen Angriff an der Zellmembran zerstören. Da es dabei zu keiner Bindung an spezifische Rezeptoren kommt, ist die Bildung resistenter Keime unwahrscheinlich. Solche antimikrobiellen Peptide können zwischen körpereigenen ("humanen") Zellen und bakteriellen Zellen unterscheiden. Dadurch gelingt es, den Angriff auf Bakterien einzuschränken. Um diese Abwehrpeptide als neue Antibiotika einsetzen zu können, braucht man ein fundiertes Verständnis über die Verschiedenartigkeit der Zellmembranen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Aufklärung molekularer Vorgänge. Mittels verschiedener biophysikalischer Methoden (z. B. Mikrokalorimetrie, Röntgenmethoden) wird die Interaktion der antimikrobiellen Peptide mit Lipidmodellsystemen untersucht. Damit wird es möglich, die antimikrobiellen Peptide gezielt zu verändern, um die gewünschte Spezifität und Wirkung zu erzielen. Weiters wird die wichtige Fragestellung erforscht, in welcher Form die antimikrobiellen Peptide als Arzneimittel gegeben werden könnten.

Mit dem gewährten Stipendium wird Andrea Hickel an der Universität Oxford in der "Biomembrane Structure Unit" ihre Untersuchungen mit den Methoden der Kernspinresonanz-Spektroskopie fortsetzen. Das Institut verfügt über eines der weltweit leistungsfähigsten Geräte für dieses Forschungsvorhaben.



Wichtige Links:

Institute of Biophysics and X-Ray Structure Research der ÖAW
Andrea Hickel
Biomembranes Group
"For Women in Science"
UNESCO

Download:

Ein Photo der Preisträgerin sowie der Pressetext können ab 6. März 2002 (Photos der feierlichen Verleihungszeremonie ab 7. März) hier heruntergeladen werden.


Weitere Informationen:
Dr. Alexandra Pifl
L'Oréal Österreich
Wipplingerstraße 34, 1010 Wien
Tel.: (+43 1) 53651/284, Fax: (+43 1) 53651/51284
E-Mail: apifl@at.loreal.com