Hauptsitz der ÖAW
Im Zuge der Universitätsreform um die Mitte des 18. Jahrhunderts war die Errichtung eines neuen Universitätsgebäudes notwendig geworden. Die Pläne des Hofarchitekten Jean Nicolas Jadot für das nach zweijähriger Bauzeit (1753-1755) fertiggestellte Gebäude entstanden unter dem Einfluss des französischen und italienischen Frühklassizismus. Etwa hundert Jahre lang hatte die Universität Wien hier ihren Sitz. 1848 stand die alte Universitätsaula im Zentrum der Studentenunruhen. Im Jahr 1857 zog die zehn Jahre zuvor gegründete Kaiserliche Akademie der Wissenschaften ins frühere Universitätsgebäude ein. Heute beherbergt das Hauptgebäude der ÖAW die zentrale Verwaltung, die Bibliothek und das Archiv der ÖAW sowie das Akademie-Rechenzentrum. Im Festsaal der ÖAW, im Sitzungssaal oder Clubraum sowie in der Alten Aula finden regelmäßig Veranstaltungen statt. Unter den vielen Darstellungen des Gebäudes sei besonders auf das Gemälde von Bernardo Bellotto, auch Canaletto genannt, "Der Universitätsplatz in Wien" (1758-1761) hingewiesen, das sich im Besitz des Wiener Kunsthistorischen Museums befindet.
Der Festsaal im ersten Stock bildet den Mittelpunkt des Hauses und wirkt besonders durch die dekorative Fülle der Raum- und Deckengestaltung. Der Stuckmarmor der Wände leitet über zum Deckengemälde des italienischen Malers Gregorio Guglielmi (1755), das nach der Tradition des Spätbarock in der allegorischen Darstellung der vier Fakultäten die an der Universität gepflogenen Wissenschaften zeigt. An zentraler Stelle ist das Herrscherpaar Maria Theresia und Franz Stephan, Förderer und Gönner dieser Wissenschaften, im Profil abgebildet. In den Jahren von 1807 bis 1840 fanden im Festsaal Konzerte statt, bei denen führende Tonkünstler der Zeit, wie Haydn, Beethoven und Schubert, auftraten. Ein bedeutendes Ereignis in der Wiener Musikgeschichte war die Aufführung von Haydns "Schöpfung" am 27. März 1808, anlässlich des 76. Geburtstages des Komponisten. Der Dirigent war damals Hofkapellmeister Antonio Salieri.
Von besonderer kunsthistorischer Bedeutung ist ferner der Johannessaal, so benannt nach dem Deckengemälde von Franz Anton Maulpertsch (um 1766/67), das die Taufe von Jesus durch Johannes den Täufer darstellt.

