Suche      Home      Kontakt      English

Struktur & Aufgaben

Gelehrtengesellschaft und innovative Forschungsträgerin

Die Österreichische Akademie der Wissenschaften ist einerseits Gelehrtengesellschaft wie die großen Akademien Europas und zugleich führende grundlagenorientierte, außeruniversitäre Forschungsinstitution in Österreich. Sie ist Trägerorganisation von derzeit 27 Forschungseinrichtungen. Die Österreichische Akademie der Wissenschaften besteht aus zwei Klassen, der mathematisch-naturwissenschaftlichen und der philosophisch-historischen Klasse. Gelehrte aus dem In- und Ausland werden zu wirklichen, korrespondierenden und Ehrenmitgliedern der ÖAW gewählt, wobei die Wahlen einmal im Jahr erfolgen und auf Vorschlägen der wirklichen Akademiemitglieder beruhen. Die Geschäftsordnung der ÖAW sieht 90 wirkliche Mitglieder vor, 45 für jede Klasse, und 250 korrespondierende Mitglieder, 125 in jeder Klasse, davon jeweils 55 im Inland und 70 im Ausland (über 70 Jahre alte Mitglieder sind, bei voller Wahrung ihrer Rechte, in diesen Zahlen nicht berücksichtigt). Derzeit zählt die Österreichische Akademie der Wissenschaften rund 600 Mitglieder. An der Spitze der Akademie steht das Präsidium, das sich aus vier aus den Reihen der wirklichen Mitglieder gewählten Personen zusammensetzt. Gemeinsam mit dem Präsidium bilden die Gesamtsitzung und die Klassensitzungen die Entscheidungsgremien der ÖAW.

Aufgaben

"Die Österreichische Akademie der Wissenschaften ist eine unter dem besonderen Schutz des Bundes stehende juristische Person öffentlichen Rechts. (...) Ihre Aufgabe ist es, die Wissenschaft auf allen Gebieten, insbesondere im Bereich der Grundlagenforschung, in jeder Hinsicht zu fördern."
(Auszug aus der Geschäftsordnung)

Die Österreichische Akademie der Wissenschaften erfüllt diese Aufgabe als Gesellschaft von hochqualifizierten Forschern und Forscherinnen aus dem In- und Ausland sowie als Trägerin eigener Forschungseinrichtungen und Forschungsaktivitäten, die wichtige und hochdotierte Forschungsvorhaben im Bereich der Grundlagenforschung durchführen. Forschungseinrichtungen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften arbeiten darüber hinaus im Bereich der angewandten Forschung, erstellen Gutachten, verfassen forschungspolitische Stellungnahmen und wirken an internationalen Forschungsprojekten und Wissenschaftsorganisationen mit. Herausragende wissenschaftliche Leistungen junger und bereits arrivierter Forscherinnen und Forscher werden mit der Vergabe von Preisen und mit acht Stipendienprogrammen honoriert.

Internationale und interdisziplinäre Beziehungen

Vor dem Hintergrund der Integration Europas, der globalen Vernetzung und der Konkurrenzsituation in der internationalen Forscherlandschaft muss auch das Verhältnis der ÖAW zu den nationalen und internationalen wissenschaftlichen Einrichtungen neu definiert werden. Dementsprechend ist es gegenwärtig das Hauptziel der ÖAW, Forschungseinrichtungen von herausragender Qualität auf jenen Gebieten zu unterhalten, die trotz wichtiger Fragestellung an den Universitäten nicht oder nicht ausreichend bearbeitet werden, auf Grund der anders gearteten Strukturen und Aufgaben der Universitäten nicht bearbeitet werden können oder zwischen den universitären Disziplinen angesiedelt sind. Steht bei den Universitäten die Verbindung von Forschung und Lehre im Vordergrund, so sieht die ÖAW in der "exploratorischen" Arbeit sowie in mittel- und langfristigen Forschungen ihre zentrale Aufgabe. Interdisziplinarität und Komplementarität sind in Relation zu den universitären Einrichtungen wesentliche Kriterien der von der ÖAW betreuten Aufgaben. Als Beispiele wären Forschungsaufgaben aus der Weltraumforschung, der "Reinhaltung der Luft", der Demographie, Alternsforschung und Iranistik oder etwa dem Bereich "Institutioneller Wandel und europäische Integration" zu nennen. Indem neue und wichtige Forschungsrichtungen erprobt und ausgebaut und in die Universitäten hinein wirksam werden, stellt die Österreichische Akademie der Wissenschaften eine über konventionelle Fächer und Fächergrenzen hinausgehende "Versuchsstation" für Österreich dar. Die Mitglieder der ÖAW, vielfach Angehörige österreichischer Universitäten, fungieren als beratende Impulsgeber und -geberinnen und als Aufsichtsorgan.

Die Akademie verwaltet zahlreiche nationale und internationale Forschungsprogramme. Einige Forschungseinrichtungen arbeiten eng mit führenden internationalen Institutionen, z. B. CERN in Genf, zusammen. Darüber hinaus wird auch die Teilnahme an den Forschungsprogrammen der EU forciert. Verträge mit 47 Partnereinrichtungen in 43 Ländern regeln den Wissenschaftleraustausch und bieten die Möglichkeit zu wechselseitigen Forschungsaufenthalten.

Qualität durch Evaluation

Dank ihres autonomen Status kann die Österreichische Akademie der Wissenschaften rasch und sehr flexibel auf sich verändernde Gegebenheiten reagieren. Sie kann Einrichtungen von unterschiedlicher Größenordnung und Struktur innerhalb relativ kurzer Zeit ins Leben rufen oder aber, wenn die Aktualität und/oder Qualität der geleisteten Arbeit nicht mehr gegeben ist, schließen, wie dies des Öfteren in den vergangenen Jahren geschehen ist. Eine besondere Verpflichtung sieht die ÖAW darin, jenen wissenschaftlichen Aufgaben nachzukommen, welche die Basis für weiterführende Arbeiten im jeweiligen Wissensgebiet darstellen und daher eine längerfristige Planung verlangen. Im geisteswissenschaftlichen Bereich zählen dazu u. a. die Erarbeitung von Lexika und Wörterbüchern, der Aufbau von Textcorpora, kritische Editionen und die wissenschaftliche Betreuung von Archivbeständen. Im naturwissenschaftlichen Bereich sind in diesem Kontext Untersuchungen auf dem Gebiet der Biodiversität und der biologischen Langzeitreihen anzuführen. Als erste Forschungseinrichtung Österreichs hat die ÖAW in ihrem "Mittelfristigen Forschungsprogramm" einen Evaluationsprozess eingeleitet und damit einen Mechanismus der Qualitätssicherung und der permanenten strukturellen Reform etabliert, der die Grundlage für die Fortsetzung, Neuorientierung oder Beendigung der betreffenden Forschungsarbeit bzw. für weiterreichende strukturelle Reformen bildet. Diese von der ÖAW eingeleitete Forschungsplanung soll der programmatischen Orientierung der ÖAW dienen und zugleich wissenschaftliche Exzellenz gewährleisten.

Grundlagenorientierung und angewandte Forschung

Die ÖAW zählt hervorragende Forscher und Forscherinnen aller Disziplinen aus dem In- und Ausland zu ihren Mitgliedern und verfügt in ihren Forschungseinrichtungen über hochqualifizierte, international ausgewiesene Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Sie verfügt daher über beste Voraussetzungen für fächerübergreifende gutachterliche Äußerungen oder auch für die Unterstützung des Gesetzgebers als Beratungsorgan. Wie bereits erwähnt, ist Grundlagenorientierung ein wesentliches Merkmal der Arbeit in den Forschungseinrichtungen der ÖAW. In zunehmendem Maße wurden in den vergangenen Jahren jedoch Brücken geschlagen zwischen Grundlagenforschung, anwendungsorientierter und angewandter Forschung. Mit der Gründung von Forschungsgesellschaften und Wirtschaftsbetrieben hat die ÖAW zuletzt neue Wege der Institutsorganisation beschritten. Der Kooperationsvertrag mit einem führenden Industrieunternehmen, dem Unternehmensverband Boehringer Ingelheim, im vergangenen Jahr ermöglicht darüber hinaus die Zusammenarbeit zwischen akademischer Forschung und Wirtschaft.

Verlag, Bibliothek, Rechenzentrum ...

Seit 1973 betreibt die Akademie einen eigenen Verlag, in dem neueste Forschungsergebnisse veröffentlicht werden. Pro Jahr erscheinen zwischen 60 und 80 neue Publikationen. Die ÖAW besitzt eine der wichtigsten Bibliotheken Österreichs, die derzeit rund 300.000 Bände umfasst. Das für die Forschungsgeschichte Österreichs bedeutsame wissenschaftliche Archiv der Akademie enthält unter anderem zahlreiche Nachlässe von Gelehrten. Das Akademie-Rechenzentrum stellt den Forschungseinrichtungen moderne Computertechnologie zur Verfügung und bietet innovative Lösungen im Bereich der Datensicherung und -kommunikation.