ÖAW - Österreichische Akademie der Wissenschaften
Kommission Südosteuropa Türkei Schwarzmeerregion

Politik und Gesellschaft im spätosmanischen Kosovo

Politik und Gesellschaft im spätosmanischen Kosovo, 1870-1913. Österreichisch-ungarische Konsulatsberichte aus Prizren, Mitrovica und Skopje

Finanziert durch den FWF (Projekt-Nr. P 21477-G18)
Laufzeit: 1.1.2010-31.12.2012 (kostenneutral verlängert bis 31.12.2013)
Projektleiter: Prof. Dr. Oliver Jens Schmitt
Projektbearbeiterin: Mag. Eva Anne Frantz
Werkvertragnehmer: Mag. Daniela Javorics, Sven Mörsdorf, Dr. Krisztián Csaplár-Degovics

Heute bildet Kosovo eine der zentralen Konfliktregionen in Europa und beschäftigt spätestens seit der NATO-Intervention 1999 sowie der Verwaltung der Region durch UNO und nun auch EU Politik und Öffentlichkeit in Europa. Die tieferen Ursprünge des heutigen Konflikts liegen im Zeitraum 1870 bis 1913, als Nationalstaatsgründungen und Nationalisierungsprozesse auch auf die Region Kosovo einwirkten und tiefgreifende Veränderungen herbeiführten. Bis heute wurde aber diese Periode nur selten in den Mittelpunkt wissenschaftlicher Arbeiten gestellt. Als eine der bedeutendsten Quellen zur Analyse von historischen Prozessen im spätosmanischen Kosovo sind österreichisch-ungarische Konsulatsberichte zu nennen, die in den bisherigen Arbeiten zu Kosovo jedoch nur in geringem Umfang herangezogen wurden. Editionen dieser Quellen fehlen gänzlich.

Bei dem Projekt handelt es sich somit um die erste einschlägige Edition österreichisch-ungarischer diplomatischer Berichte aus Kosovo. Ziel ist es, ausgewählte Konsulatsberichte zwischen 1870 (Gründung des bulgarischen Exarchats) und 1912/13 (Erster Balkankrieg), die im Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien vorliegen, in drei Bänden zu je etwa 100 Berichten in einer kommentierten Edition zu veröffentlichen. Bei der Auswahl der Dokumente sollen neben politikgeschichtlichen vor allem kultur- und sozialgeschichtliche Fragestellungen berücksichtigt werden. Deutlich werden soll, dass ethno-nationale Konzepte zu diesem Zeitpunkt eine untergeordnete Rolle spielten und die Geschichte Kosovos nicht auf eine serbisch-albanische Konfliktgeschichte reduziert werden kann. Ziel ist es, die Dokumente möglichst breiten Wissenschaftlerkreisen unterschiedlicher Fachgebiete (Geschichte, Osmanistik, historische Anthropologie und Ethnologie) zugänglich zu machen, um dadurch weiterführende Fragestellungen und Forschungen bezüglich Kosovo zu ermöglichen. Gleichzeitig soll aber mit der Publikation auch eine breitere öffentlichkeit angesprochen werden. Aufgrund der gesellschaftlichen Relevanz, die Kosovo in Europa heute besitzt, aber auch aufgrund der interessanten und gut lesbaren Konsulatsberichte kann davon ausgegangen werden, dass die Edition auf entsprechendes Interesse stoßen wird.

Veröffentlicht werden sollen einschlägige Berichte aus den Konsulaten Mitrovica, Prizren und Skopje (seit 1888 Hauptort des Vilayets) zwischen 1870 und 1913, die sich in den Beständen des Haus-, Hof- und Staatsarchivs und des Kriegsarchivs in Wien befinden. Ergänzend herangezogen werden einzelne, aussagekräftige Berichte aus Shkodra und Monastir (heute Bitola), wenn sie sich auf Kosovo beziehen. Die Dokumente sollen ungekürzt und unter Beibehaltung der damaligen Sprache kommentiert und in chronologischer Reihenfolge wiedergegeben werden. In einem Kopfregest wird der Inhalt des jeweiligen Berichts kurz zusammengefasst. In einem Überblickskapitel, das den Quellen vorangestellt wird, soll in das Thema eingeführt werden; des weiteren sollen die beiden Bände einen Index der Dokumente, ein Personen- und Ortsnamensverzeichnis sowie ein Register der historischen Fachtermini und mehrere historische Karten enthalten.

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