Bajeschi in Transkarpatien
Projektleiter: Univ.-Prof. Dr. Thede Kahl
Mitarbeiter: Univ.-Prof. Dr. George Achim, Dr. des. Olia Kolomyyets’, Ioana Nechiti

In Transkarpatien (der westlichen Ukraine) lebt am Rande mehrerer Dörfer eine als Bajeschi bekannte Bevölkerungsgruppe, die bis heute eine archaische Variante des Rumänischen spricht. Ihre Nachbarn nehmen sie als "Zigeuner" wahr, obwohl dies nicht ihrer Eigenbezeichnung entspricht. Zum Großteil handelt es sich um Nachfahren von Goldwäschern und Minenarbeitern, wie sie bereits im frühen 18. Jahrhundert im Siebenbürgischen Erzgebirge, in der Kleinen oder Großen Walachei und wenig später auch im Banat anzutreffen waren. Trotz der Maßnahmen zur Sesshaftmachung in der theresianisch-josephinischen Zeit lebten die meisten Bajeschi bis vor wenigen Jahrzehnten als Wanderarbeiter ohne feste Wohnsitze. Besonders in den Dörfern des Berglandes griffen die Sedentarisierungsmaßnahmen. Einzelne Gruppen jedoch veranlasste der Sedentarisierungsdruck zu weiteren Migrationen. Seit dem späten 18. Jahrhundert verbreiteten sich die rumänischsprachigen "Zigeuner" - bekannt als Rudari und Bajeschi - nicht nur bis weit in die südungarischen und transdanubischen Komitate hinein, sondern auch ins serbische Timoktal, bis nach Kroatien, Bulgarien und schließlich bis nach Griechenland. Seitdem die Minenarbeit nicht mehr lukrativ ist, sind für die Rudari und Bajeschi andere Berufe charakteristisch (Korb- und Stuhlflechter, Löffelhersteller, Holzarbeiter, Tanzbärenhalter). Während Forschungen zu den Rudari und Bajeschi in Ungarn, Rumänien und dem südslawischen Raum existieren, untersucht dieses Projekt Gemeinden, die von der bisherigen Forschung unberücksichtigt geblieben sind. Hierzu sind bereits Feldforschungen in der Ukraine durchgeführt worden, bei denen Sprache und Musik aufgenommen und narrative Interviews zu ihrer Identität geführt werden konnten. Die gleichen Methoden werden bei den Rudari in Griechenland angewendet.

