Projektleitung: H. Thür (Baubefund)
Bearbeiter: K. Koller (Marmorwanddekoration, Bilddokumentation); N. Zimmermann (Wandmalereien); I. Adenstedt (Bilddokumentation, CAD-Zeichnungen)
Die Wohneinheiten des Hanghauses 2 wurden von der 1. Hälfte des 1. Jh.s n.Chr. bis in das 3. Viertel des 3. Jh.s n.Chr. als Domizile des wohlhabenden ephesischen Bürgertums genutzt. In dieser Zeit wurden die Wohneinheiten mehrmals zum Teil grundlegend umgebaut, auch die Liegenschaftsgrenzen wurden verändert. In der letzten Phase hatten alle Wohneinheiten ein Obergeschoß, das durch Treppen und Bauteile nachgewiesen ist, die Wohneinheiten 4 und 6 hatten sogar zwei Obergeschosse.
Bauphase I:
Die insula wird durch sechs anfangs etwa gleichgroße Wohneinheiten im Haustyp von Peristylhofhäusern flächig überbaut (siehe Plan). Die Mauern dieser Phase sind aus Steinquadern oder Bruchsteinen mit Mörtel errichtet, deren Verfugung Quader nachahmt. Selten verwendete Ziegel sind großformatig.
Bauphase II:
Die Terrassenmauer zwischen den Wohneinheiten 4 und 6 wird in einem großen Umbau um mehr als 7 m nach Süden, d.h. zum Hang hin versetzt, wodurch auf der untersten Terrasse der große Marmorsaal – zunächst vielleicht als Hof – entsteht. Die Mauern dieser Phase bestehen durchwegs aus Bruchsteinen, aber auch Ziegel des Formates der etwa zeitgleichen Celsus-Bibliothek (31 x 31 x 5cm) werden häufiger.
Bauphase III:
Durch den Einbau der "Basilika", eines weiteren – tonnengewölbten – Festsaales mit einer Apsis in der Wohneinheit 6 ergeben sich weitere Umbauten in der Wohneinheit 4, aber auch in den Wohneinheiten 5 und 3. Der Peristylhof der Wohneinheit 4 wird in einen Pfeilerhof mit Gartenmalerei umgewandelt. Als Baumaterial dienen jetzt vorwiegend Ziegel des Formates 28-29x28-29x3,5cm.
Bauphase IV:
Nach Erdbebenschäden der Wohneinheit 1 wird dort das Wohnungskonzept verändert, die Westräume werden nun von der Wohneinheit 2 her genutzt; nach einer Verlegung des Einganges wird der verkleinerte Speiseraum als "Theaterzimmer" dekoriert. In der Wohneinheit 4 werden die ehemals zum "Garten"hof hin offenen Kammern mit Ziegeln des Formates 27,5 x 27,5 x 3,2cm zugemauert, dieses Untergeschoß dient fortan einer untergeordneten Nutzung; die Räume zum Wohnen und für Gästeempfang hingegen werden in das erste und auch das zweite Obergeschoß verlegt.
Zerstörungsphase:
Die Erdbebenzerstörung wird durch einen vom 2. Obergeschoß in das 1. Obergeschoß herabgestürzten Mosaikboden im Raum 9 gut dokumentiert. Das obere mehrfarbige Mosaik wurde über einer Brandschicht mit Resten von verkohlten Holzbalken über einem unversehrten Schwarz-Weiß-Mosaik auf dem Tonnengewölbe der "Basilika" gefunden. Eine Münze der Regierungszeit des Gallien (253 – 268 n. Chr.) in der Brandschicht datiert das Ereignis.
Dokumentation
Neben der Baubeschreibung ist die graphische Dokumentation des Baubestandes Grundlage für die Auswertung und Interpretation der Befunde. Für die digitale Bilddokumentation der archäologischen Baubefunde in einem digitalphotogrammetrischen Verfahren wurde das System "Hplus®" (eine zur Aufnahme, gemeinsamen Auswertung und Darstellung von Sachverhalten mit geodätischen und photogrammetrischen Methoden entwickelte Software) für die speziellen Erfordernisse adaptiert und – im Hinblick auf ihre Darstellung im 3D-Modell – weiterentwickelt [dazu K. Koller, Forum Archaeologiae 15/VI/2000.