Als Hanghäuser von Ephesos werden zwei Wohninsulae bezeichnet, die von 1960–1985 durch das Österreichische Archäologische Institut (ÖAI) ausgegraben wurden. Sie waren im 1. Jh. n. Chr. im Zentrum der Stadt, am Nordhang des Bülbüldagh (Stadtplan Ephesos) errichtet worden und wurden, nach mehreren Umbauphasen, durch Erdbeben am Ende des 3. Jhs. (Hanghaus 2) bzw. in der Spätantike (Hanghaus 1) verschüttet. Insbesondere Hanghaus 2 stellt das besterhaltene antike Wohnhaus des östlichen Mittelmeerraumes dar. Der außergewöhnlich gute Erhaltungszustand der Architektur und der prächtigen Ausstattung sowie der große Fundreichtum gewähren einen tiefen Einblick in die Wohn- und Lebenswelt der ephesischen Oberschicht im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr.
Die Aufarbeitung und Publikation dieser für die Kunst- und Kulturgeschichte der römischen Kaiserzeit so bedeutsamen Hanghäuser werden als Forschungsschwerpunkt des Institutes in Kooperation mit dem ÖAI durchgeführt.
HH 2, vor der Ausgrabung HH1 u. HH2: provisorische Überdachung HH 1 u. HH2: Schutzdach 2000
Die Forschungen zum Hanghaus 1 sind mittlerweile abgeschlossen und vorgelegt. Dagegen dauern Bearbeitung und Publikation von Hanghaus 2 noch an.
Das Hanghaus 2 ist eine ca. 4.000 m² große Parzelle am Abhang des Bülbüldagh, die im 1. Jh. n. Chr. auf drei Wohnterrassen für sieben mehrgeschossige Peristylhäuser erschlossen wurde (sog. Wohneinheiten 1-7). Nach über 200 Jahren intensiver Nutzung mit mehreren Reparatur- und Umbauphasen zerstörte eine Erdbebenserie in gallienischer Zeit (260-268) die Insula, wobei neben großen Teilen der prächtigen Ausstattungen auch das Inventar versiegelt wurde.
Das Publikationskonzept sieht vor, alle sieben Wohneinheiten einzeln mit dem jeweiligen Baubefund, der Ausstattung und dem Fundinventar kontextuell vorzulegen. Besonderes Augenmerk liegt auf der Erforschung der reichen Ausstattung mit Wandmalereien , Marmorwandvertäfelungen, Stukkaturen, Mosaik- und Marmorböden, Brunnenanlagen, Hypokaustheizungen und Marmorarchitekturen sowie dem Inventar aus Skulpturen, Mobiliar, Terrakotten, Keramik-, Metall- und Beinfunden sowie den Funden aus Glas. Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Keramikforschung.
Mittlerweile sind die Publikationen zu drei der Wohneinheiten erschienen:
Wohneinheiten 1 und 2 sowie Wohneinheit 4.
Dagegen befinden sich noch in Vorbereitung zum Druck:
Wohneinheiten 3 und 5 sowie Wohneinheit 6.
Die Publikation der Wohneinheit 7 wird seit 2010 im Rahmen eines Forschungsprojektes vorbereitet.
1999 wurde die wertvolle Ruine mit einem modernen Schutzbau überbaut, seit einigen Jahren ist sie öffentlich zugänglich.