Das Bischofsviertel von Side


Kontakt: A. Pülz

Bereits seit den 1940er Jahren steht die pamphylische Stadt Side im Zentrum wissenschaftlichen Interesses. Der Großteil der heute sichtbaren Monumente wurde von Arif Müfid Mansel in den Jahren zwischen 1947 und 1975 freigelegt und publiziert. Hervorgehoben seien etwa Säulenstraßen, Brunnenanlagen, Häuser, Bäder, Wehrmauer, Toranlagen und Plätze. Die genannten Denkmäler sowie die zahlreichen Funde belegen, dass Side bis in die spätantik-frühbyzantinische Epoche hinein eine blühende Stadt gewesen ist.

Besonders hervorzuheben ist eine Reihe von frühchristlichen Kirchen sowie ein weitläufiger Bischofspalast. Die ausgedehnte bischöfliche Anlage besteht nach heutigem Kenntnisstand nicht allein aus der Basilika samt Baptisterium sowie der Bischofsresidenz. Es finden sich vielmehr noch einige weitere Gebäude, von denen heute drei als Martyria/Memorialbauten interpretiert werden. Anzuführen ist aber auch eine Gartenanlage innerhalb des von einer Umfassungsmauer eingefriedeten Komplexes.

Die 2015 aufgenommenen Untersuchungen konzentrieren sich auf mehrere Themenbereiche: so werden die einzelnen Gebäude des Ensembles Basilika – Residenz vor allem hinsichtlich ihrer Baugeschichte (Datierung, Nutzungsdauer, Bautypologie etc.) und ihrer Funktion untersucht; darüber hinaus wird der Frage nachgegangen, ob ein baulicher und funktionaler Zusammenhang mit dem westlich an das Ensemble anschließenden Areal gegeben ist. In positivem Falle würde es sich angesichts der Größe und der vielfältigen Bebauung um ein bischöfliches Stadtviertel handeln. Einen wesentlichen Schwerpunkt werden zudem Fragestellungen zur urbanistischen Einbindung innerhalb des gesamten früh- und mittelbyzantinischen Stadtgefüges sowie der Sakraltopographie bilden. Ein besonderer Fokus wird ferner auf Vergleichsstudien zu den bischöflichen Anlagen wie jenen im Balkanraum und in Griechenland (Salona, Iustiniana Prima, Philippi) und vor allem jenen in Kleinasien (Aphrodisias, Ephesos und Milet) liegen.

Abb. 1: Grundriss der Basilika und des Palastes (nach A. Mansel 1978)
Abb. 4: Kirche im Bischofspalast (Photo: © Grabung Side)
Abb. 2: Überblick: Kathedrale und Baptisterium (Photo: © Grabung Side)
Abb. 3: Trikonchos, nördliche Apsis (Photo: © IKAnt)

Literatur

A. M. Mansel, Die Ruinen von Side (Berlin 1963), 166-168.

A. M. Mansel, Bericht über die Ausgrabungen und Untersuchungen in Pamphylien in den Jahren 1957 bis 1972, AA 1975, 52-57.

W. Müller-Wiener, Riflessioni sulle charatteristice di pallazi episcopali, in: Felix Ravenna IV 1/2, 1983, 120-23.

W. Müller-Wiener, Bischofsresidenzen des 4.-7. Jhs. im östlichen Mittelmeerraum, in: Actes du 11e Congrès International d’archéologie chrétienne 1986 (Rom 1989) 680-683.

J.-P. Sodini, Les groupes épiscopeaux en Turquie (à l’exception des la Cilicie), in: Actes du 11e Congrès International d’archéologie chrétienne 1986 (Rom 1989) 415. 417.

B. Ceylan, Episkopeia in Asia Minor, in: L. Lavan, L. Özgenel, A. Sarantis (Hrsg.), Housing in Late Antiquity. From palaces to shops, LAA 3.2 (2007) 174-176.